16. Tag
31. August – Lake Louise, Lake Herbert, Moraine Lake, Banff
An diesem Morgen stehen wir um
5.30 Uhr (!!!) auf, um zum
Lake Louise zu fahren und dort den Sonnenaufgang zu
fotografieren. Es ist bitterkalt und wir sind zu früh am Lake. Ab 6.30 Uhr
kommen die ersten Japaner mit Bussen an, um das Erlebnis mit uns zu teilen und
um 7.30 Uhr sind wir dann vollends durchgefroren. Die aufgehende Sonne färbt die
schneebedeckten Berge um den Lake rot ein und alles spiegelt sich auf der
glatten Oberfläche des Sees wieder. Es ist ein wirklich schönes Erlebnis, aber
an diesem Morgen nicht so ein Farbenspektakel, wie in unserem Reiseführer
beschrieben.
In Lake Louise kaufen wir leckere Brötchen und Kuchen und genießen
in der warmen Sonne am Herbert Lake ein ausgiebiges zweites Frühstück. Kurze
Lagebesprechung und wir fahren in die Berge zum Moraine Lake, oberhalb von Lake
Louise. Es sind heute viele Sonntagsausflügler auf die gleiche Idee gekommen und
die Parkplätze werden gegen Mittag schon knapp. Auf diesem glasklaren, eiskalten
See paddeln wir eine Stunde mit einem gemieteten Kanu herum. Der türkis
schillernde Moraine Lake wird in einigen Büchern als der Schönste
herausgestellt. Als wir uns auf den Rückweg machen, stellen wir fest, dass am
Nachmittag kein Parkplatz mehr zu bekommen gewesen wäre – zumindest nicht für
Wohnmobile.Wir fahren weiter nach Banff.
Auf dieser Strecke ist das Quietschen des Wohnmobils wieder da und verlässt uns
auch nicht mehr. Banff erleben wir als überfüllten, völlig auf den Tourismus
abgestellten Ort. Hier gefällt es mir nicht.Wir meinen nun endlich mit
Cruise Canada telefonieren zu müssen, um die Sache mit dem Wohnmobil zu klären.
Aber erst zwei Tage später sind die Autowerkstätten wieder geöffnet, da am
morgigen Montag „Labour-Day“, ein Feiertag ist und anders ist uns nicht zu
helfen. Es gibt zumindest hier keinen Notdienst. Wir überlegen hin und her, ob
wir weiter nach Calgary fahren sollen, da dort eine Cruise Canada-Vermietung vor
Ort ist, die uns im schlimmsten Fall ein Ersatzfahrzeug zur Verfügung stellen
kann. Allerdings ist eine Strecke dorthin 130 km lang und wir haben schon jetzt
mehr Kilometer auf dem Tacho als geplant.
Wir wissen im Moment nicht
genau, was richtig ist. Schon hier in Banff liegt Rauch in der Luft. Was
erwartet uns hinter den Bergen? Nur verbranntes Land? Sollen wir unsere
Fahrtroute völlig ändern und Calgary einplanen? In den Tageszeitungen ist im
Moment allerdings nicht mehr über die Brände zu finden und wenn wir Kanadier
dazu befragen, müssen wir eine gewisse Gleichgültigkeit feststellen. Man kann es
Ihnen auch nicht übel nehmen, ihr Land ist ja groß.Wir nehmen nicht den örtlichen
Campground, sondern suchen uns wieder einen Provincial Park „Two Jake Lake“ an
einem kleinen See etwas außerhalb von Banff. Der Platz liegt wiederum sehr schön
in einem Wald, hat zwar keine Anschlüsse, aber dafür saubere Duschen und
Toilettenanlagen. Auf dem kurzen Stück von Banff
zum Campground ist das Quietschgeräusch wieder weg. Jetzt sind wir völlig
verunsichert und wollen übermorgen spontan entscheiden, was wir tun werden – je
nach Tonlage unseres fahrbaren Untersatzes.